Gemeinsame Perspektive für Standortentwicklung und Wassersport: Dr. Andreas Kleinau, Vorsitzender der Geschäftsführung der Billebogen Entwicklungsgesellschaft & Co. KG; Carola Veit, Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft;  Andreas Goertz, Erster Vorsitzender RV Bille und Ralph Neubauer, Leiter des Bezirksamts Hamburg (Foto: Miguel Ferraz)

RV Bille bleibt am Standort und wird in neue grüne Freiräume am Wasser sowie gewerbliche Entwicklung integriert

Als David Svendsen vor sieben Jahren zum ersten Mal zum Bootshaus der Ruder-Vereinigung Bille an der Grünen Brücke am Billebecken kam, war er sofort begeistert. „Es hat geregnet, war windig und grau“, erzählt er. „Dennoch hat mich der Ort fasziniert – das Urbane, der industrielle Charme, das Unerschlossene. Damals war Rothenburgsort für viele Hamburger:innen noch unbekanntes Terrain“, erinnert er sich. David Svendsen, der in Eimsbüttel wohnt, belegte einen Anfängerkurs und blieb beim Rudern ebenso wie bei der RV Bille, zweimal pro Woche geht er aufs Wasser.

Ebenso wie seinen Vereinskolleg:innen ist David Svendsen Erleichterung und große Freude darüber anzumerken, dass die RV Bille an diesem traditionsreichen und idyllischen Standort bleiben wird. Am 09. Juli gaben die Billebogen Entwicklungsgesellschaft mbH & Co. KG (BBEG), das Bezirksamt Hamburg-Mitte und die Rudervereinigung Bille von 1896 e.V. (RV Bille) die gute Nachricht bekannt – vor Ort bei strahlendem Sonnenschein vor der eindrucksvollen Wasserkulisse mit hoch am Himmel kreisenden Möwen. Eine entsprechende Übereinkunft („Letter of Intent“) war zuvor unterzeichnet worden.

 

Foto: Miguel Ferraz

Seit 60 Jahren am Standort

Die RV Bille mit aktuell rund 200 Mitgliedern ist seit den 1960er Jahren am Billebecken bei der Grünen Brücke ansässig. Das städtische Grundstück befindet sich heute im Besitz der BBEG, die mit der Neuordnung des Stadtraums am Südrand des Billebeckens rund um den Bullenhuser Damm beauftragt ist. Zu den wesentlichen Zielen zählt das Schaffen von urbanen Produktions- und Gewerbestandorten, die Qualifizierung von Freiräumen zum Beispiel durch die öffentliche Erschließung der Uferzonen sowie eine bessere Verknüpfung der Wegebeziehungen innerhalb des Stadtraums. Im Rahmen der Entwicklung war eine
Verlagerung der RV Bille angedacht. Verschiedene alternative Standorte auf der Nord- und Ostseite des Billebeckens wurden untersucht. Diese Überlegungen sind nun vom Tisch. Die BBEG schneidet die städtebauliche Entwicklung auf dem benachbarten Grundstück zu.

Dr. Andreas Kleinau, Vorsitzender der Geschäftsführung der Billebogen Entwicklungsgesellschaft, erklärt zu der Entscheidung: „Als Ergebnis eines intensiven Austauschs seit 2021 zeigt sie beispielhaft, wie sich lokale Bedarfe in zukunftsorientierte Stadtentwicklung einbinden lassen. Die Vereinbarung macht den Weg für die weitere Entwicklung des Billebeckens als Standort für Forschung, Entwicklung und Produktion frei und berücksichtigt zugleich die RV Bille, die wir als Ankerpunkt für Nachbarschaft und Freizeit in Rothenburgsort schätzen.“ Ralf Neubauer, Bezirksamtsleiter Hamburg-Mitte ergänzt: „Die gemeinsam getroffene Entscheidung wird über den neuen Bebauungsplan Rothenburgsort 19 auch planungsrechtlich abgesichert. Gleichzeitig verlängert der Bezirk den Sportrahmenvertrag mit dem Verein um weitere 25 Jahre, das gibt dem Verein auch Sicherheit für notwendige Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen.“

Im Namen der RV Bille bedankte sich der Vorsitzende Andreas Goertz für die Entscheidung: „Wir freuen uns, dass unser jetziger Standort langfristig gesichert ist und wir unsere sportlichen, kulturellen und sozialen Aktivitäten weiter entwickeln können.“

Visualisierung zur städtebaulichen Neuordnung am Billebecken: © moka studio

Öffentliche Uferpromenade

Die der RV Bille überlassenen Flächen gelten als Teil einer öffentlichen grünen Uferzone. Die Öffnung des Vereinsgrundstücks für eine Uferpromenade wird in der weiteren Planung geprüft und weiterentwickelt. Zudem trägt die RV Bille mit ihren Angeboten zur Belebung der Uferzonen bei. Das Fachamt Stadt- und Landschaftsplanung im Bezirksamt Hamburg Mitte prüft aktuell eine hochbauliche Neuordnung des Vereinsgeländes mit Berücksichtigung der aktuellen Raumbedarfe. Erste Varianten liegen bereits vor und werden derzeit mit dem Verein abgestimmt. Das Bebauungsplanverfahren für das Billebecken ist bereits eingeleitet.

Zu dem insgesamt rund 75 Hektar großen Entwicklungsgebiet am Billebogen gehören neben dem Billebecken der Stadteingang Elbbrücken und der Neue Huckepackbahnhof. Das Quartier zwischen Großmannstraße, Ausschläger Weg und Bille bildet den Übergang zum Industriegebiet Billbrook im Osten. Ein künftiger Ankernutzer mit dem Schwerpunkt Forschung steht am Billebecken bereits fest: Das Institut für Hygiene und Umwelt errichtet am Bullenhuser Damm einen Labor-Neubau.

 

Text: Andrea Bittelmeyer