Augenzwinkernder Gruß aus Rothenburgsort (Foto: Kulturwoche) 

 

Auf den ersten Blick ist es nur eine Packung Papiertaschentücher mit drei bunten gezeichneten Blumen drauf und dem Aufdruck „Kulturwoche Rothenburgsort Trostspender“. Einer von zahllosen Gegenständen, die uns im Alltag umgeben. Auf den zweiten Blick aber ist es ein Lebenszeichen: Wir sind noch da. Wir haben euch nicht vergessen. Wir wissen, es sind schwere Zeiten, aber wir schaffen das gemeinsam.

Tausende Päckchen mit Taschentüchern haben die Macher:innen der Kulturwoche Rothenburgsort bislang verteilt, einen Teil persönlich kurz vor Weihnachten, die meisten in den vergangenen Wochen per Post. „Die Leute brauchen doch Trost“, sagt Özlem Winkler-Özkan, 47, die die Kulturwoche federführend organisiert. „Und wir wollten sichtbar bleiben.“ Sichtbar, solange Corona noch immer das öffentliche Leben prägt und kulturelle Veranstaltungen nicht oder nur unter sehr strengen Auflagen stattfinden können.

 

 

Wassersport für Kinder vom Café Entenwerder aus, Kulturwoche 2019  (Foto: Bina Engel)

Feste Größe seit 2017

Dabei war die Kulturwoche Rothenburgsort seit 2017 eine Veranstaltungsreihe geworden, zu der die Menschen gerne spontan und in stetig wachsender Zahl strömten: eine Woche mit Konzerten, Theateraufführungen, Lesungen, Ausstellungen und vielem mehr. Aufgeführt von Menschen aus dem Stadtteil, zu sehen in Kulturstätten, Cafés und anderen Orten wie etwa die Kirche St. Thomas, das Café Entenwerder 1 oder eines der angesagten Tonstudios, die sich seit Langem in der Nachbarschaft befinden. „Mit der Kulturwoche wollen wir den kreativen Menschen in Rothenburgsort eine Bühne geben und ihnen ermöglichen, sich auszutauschen. Wir glauben, dass Nähe ein wichtiger Faktor ist, damit ein Stadtteil funktioniert“, sagt Özlem Winkler-Özkan. „Alle, die hier wohnen, können mitmachen, auch Privatpersonen, die gern fotografieren oder Socken stricken.

Botschafterin für die Kultur aus Rothenburgsort: Özlem Winkler-Özkan auf dem Stadtteilfest Veddel 2018 (Foto: Miguel Ferraz)

Im Hauptberuf ist Winkler-Özkan Geschäftsführerin des PEM Theaters an den Elbbrücken, eine von fünf Institutionen, die die Kulturwoche ins Leben gerufen haben. Auch die Stiftung Wasserkunst Kaltehofe, die St.-Thomas-Kirche, die BGFG Baugenossenschaft freier Gewerkschafter eG und das Café Entenwerder Café im Elbpark gehören zu dem Netzwerk. Mittlerweile sind zahlreiche weitere Akteure dazugekommen „Wir wollen zeigen, dass Rothenburgsort kulturell sehr viel Spannendes zu bieten hat“, sagt Winkler-Özkan. „Der Stadtteil ist ein Schatz. Seine Bewohner machen viele tolle Projekte, die viel zu wenig bekannt sind.“

Vielfältiges Programm

Besonders 2019 brachte die Veranstaltungsreihe den Stadtteil mit einem vielfältigen Programm auf die kulturelle Landkarte. Das vielfältige Programm reichte von der Erstaufführung des Musicals „Nimmerwiedermehr“ zur Geschichte des Kinderkrankenhauses Rothenburgsort in der NS-Zeit und Erzählcafés mit Erinnerungen an das alte Rothenburgsort bis zu Atelier- und Studiobesuchen sowie Mal- und Wasserexperimenten mit Flüchtlingskindern. Die Billebogen Entwicklungsgesellschaft mbH & Co. KG (BBEG) und die Hamburgische Staatsoper engagierten sich damals mit eigenen Programmpunkten, wobei insbesondere der „Tag der offenen Tür“ der Opernwerkstätten und des Kostümfundus auf dem Neuen Huckepackbahnhof zum Publikumsmagnet wurde. Die BBEG förderte die Veranstaltungsreihe 2019 zudem finanziell.

“Tag der offenen Tür” bei den Opernwerkstätten, 2019 (Foto: Bina Engel)

Dann kam Corona, und die Veranstaltung musste im Juni 2020 kurzfristig abgesagt werden. Die Idee, die Kulturwoche 2021 online stattfinden zu lassen, haben die Macherinnen und Macher nach gründlicher Abwägung wieder verworfen – zu hoch schien der technische, finanzielle und künstlerische Aufwand gegenüber dem möglichen Gewinn, wenn man bedenkt, dass die Kulturwoche in erste Linie auf Erkundungen und Begegnungen vor Ort abzielt. Zudem hatten die kulturellen Institutionen alle Hände damit zu tun, selbst über Wasser zu bleiben. Winkler-Özkan blickt dennoch wieder optimistischer in die Zukunft. „Ich glaube, dass die Kulturwoche sehr großes Potenzial hat, weil wir spartenübergreifend zusammenarbeiten. Und weil Rothenburgsort so viel zu bieten hat“, sagt sie. Kurzfristig sind zudem unabhängig von der Kulturwoche kleinere Angebote aus Rothenburgsort doch online zu erleben: Vom 25. bis zum 27.06. zeigt das Naje-Festival die Vielfalt afrikanischer Kultur und migrantischer Gruppen in Hamburg mit einem bunten Programm.

 

Mehr Infos unter:

www.kultur-rothenburgsort.de

https://naje-festival.de/